| Diese Einleitung soll allen an der
Entwicklung der Fischweid Interessierten einen Überblick über
die nahezu 125 jährige Geschichte der Österreichische
Fischereigesellschaft geben.
Verständlicherweise waren wir bei der Verfassung der Beiträge,
die sich mit der weit zurückliegenden Vergangenheit unserer
Gesellschaft beschäftigen, auf alte
Aufzeichnungen und Chroniken
angewiesen.
Dem Betrachter der Vereinsgeschichte fallen vier sich über
mehrere Jahrzehnte erstreckende Zeiträume auf; es sind dies
die Perioden 1880-1918, 1918-1945, 1945-1980
und 1980-2005.
Wenn wir uns in die Zeit um 1880 versetzen, so stand damals Europa
zumindest außenpolitisch vor einer bis über die Jahrhundertwende
dauernden friedlichen Phase, waren
doch viele politische Aktivitäten auf die Errichtung von Kolonien
in anderen Kontinenten gerichtet. In Österreich kam diese Entwicklung
der Wissenschaft, der Forschung und der Kunst zugute.
Neue bahnbrechende Erfindungen wurden
allgemein zugänglich. So eröffnete zum Beispiel Kaiser
Franz Joseph I.1881 das erste Privattelefon in Vorarlberg.
Auf dem Gebiet des Grund- und Bodenbesitzes,
zu dem die Fischerei als unabhängiges Privatrecht gehört,
war der Versuch einer Neuordnung mit der Absicht verbunden, durch
Revierbildungen eine zweckmäßige Bewirtschaftung der
Fischereigewässer zu erreichen.
Gleichzeitig forderte die sich entwickelnde Industriegesellschaft,
nicht länger Naturgewalten ausgesetzt zu sein. Den Anstoß
gab 1862 die letzte große Überschwemmung der Vorstädte
Wiens; 1869 begann die Donauregulierung
und wurde 1875 im Bereich Wien fertiggestellt.
Berechtigte Interessen der Bevölkerung begannen hier mit den
Anliegen der Fischereirechtseigentümer zu kollidieren.
Daher machte es unsere am 16. Februar 1880 konstituierte Gesellschaft
zu einer ihrer ersten Aufgaben, für das Kronland Niederösterreich
die Formulierung und Erlassung eines Fischereigesetzes
zu fordern.
In den folgenden Jahren wurden unter der Patronats unserer Gesellschaft
die niederösterreichischen Fischereirevierausschüsse
ins Leben gerufen und die dort zuständigen Sachverständigen
für die Revierbildung in den einzelnen Flußläufen
bestellt. Neben dieser rein juristischen Aktivität hatte die
Gesellschaft auf einem Staatsgebiet, das vom Riesengebirge bis zur
Adria und von Bregenz am Bodensee bis zum "Eisernen Tor"
an der Donau reichte.
"Der Verbreitung und Vermehrung der Fischbevölkerung
zu dienen" und die damals an ihren Anfängen stehenden
wissenschaftlichen Erkenntnisse der Fischzucht bekanntzumachen und
zu unterstützen.
Der Gedanke der Fischhege und der Gewässerpflege gewinnt nach
und nach an Bedeutung, ja es sind auch bereits Revitalisierungsmaßnahmen
notwendig, gibt es doch bereits vollkommen verödete Gewässerabschnitte.
1890 können wir die Verlautbarung des N.Ö.
Landesfischereigesetzes verkünden.
In der Folge erhalten die Fischereirevierausschüsse durch uns
ihre erste Geschäftsordnung.
Neben der juristischen kam aber die fischereiwirtschaftliche Tätigkeit
nicht zu kurz. Fischzuchtinteressenten wurden moderne
Brutapparate zur Forellenzucht zur Verfügung gestellt.
Schonzeitverlängerungen für
Krebse und Huchen wurden beantragt sowie die Pachtung der ersten
Fischereireviere vorgenommen.
Für unsere Bemühungen wurden wir 1905 anläßlich
des 25jährigen Bestandes durch Kaiser Franz Joseph 1. mit dem
Titel "K. k. Österreichische Fischereigesellschaft"
ausgezeichnet. Mit Stolz dürfen wir betonen, daß
es in den ersten Jahrzehnten des Bestandes unserer Gesellschaft
kein fischereiwirtschaftliches Gebiet gab, auf dem unsere Mitglieder
nicht als Experten tätig waren.
Die Jahre bis 1945 zählten mit ihren politischen Umwälzungen
zu den unerfreulichsten Kapiteln unseres
l25-jährigen Bestandes. Mehrfach verlor unsere Gesellschaft
fast ihre Eigenständigkeit oder mußte zumindest andere
Namen annehmen. So wurden wir 1935 mit dem Österreichischen
Touring-Club vereinigt und hießen dann "Internationaler
Sportanglerclub und Österreichische Fischereigesellschaft,
Zweigverein des Österreichischen Touring-Club".
Im April 1938 wurden wir dem "Reichsbund deutscher Sportfischer"
in Berlin unterstellt, wir erhielten die Bezeichnung "Bezirksfischereivereinigung
Niederdonau". Erst 1945 konnten wir wieder unseren alten
Namen führen und über alle unsere Eigen- und Pachtreviere
verfügen.
Leider gingen im Zuge der Kriegsereignisse, die auch unsere Kanzleiarchivräume
schädigten, viele wertvolle Aufzeichnungen verloren,
so daß wir für diese Periode kaum über Unterlagen
verfügen. Die Entwicklung ab 1945 ist vielen unserer langjährigen
Mitglieder noch in Erinnerung.
Die Österreichische Fischereigesellschaft besann sich mehr
und mehr auf die Verbreitung der Fischweid.
Eines unserer Ziele war und ist es, durch Erwerb
oder Neupachtung weitere Reviere einer ständig steigenden
Anzahl interessierter Mitglieder anbieten zu können.
Verfügten wir im Jahre 1945 über 30 Reviere, so dürfen
wir nun stolz vermerken, daß wir derzeit für
3300 Mitglieder 49 Salmonidenreviere mit 443 km Flußlänge
und 21 Raub- und Friedfischreviere
mit 1672 ha Wasserfläche bewirtschaften - davon ca.1100 ha
Donaureviere.
Die Entwicklung zur Wohlstandsgesellschaft, die einerseits die
Freizeitbedürfnisse unerhört fördert und sicherlich
einen wesentlichen Nährboden für die Ausweitung unserer
Tätigkeit darstellt, brachte uns aber andererseits alle Verschmutzungsprobleme
einer Industriegesellschaft.
Der Vorstand und die Mitarbeiter des Sekretariats sowie mehr als
135 beeidete Aufsichtsorgane sind unablässig bemüht, vorhandene
Gewässerbiotope zu erhalten und ihre Störung durch Regulierungen
und Einleitungen von Abwässern zu vermeiden.
Die Aufnahme von Gewässeruntersuchungen
durch unsere Gesellschaft in Zusammenarbeit mit Mitarbeitern der
Akademie der Wissenschaften und der Universität für Bodenkultur
zeigt, wie ernst wir die Probleme der zunehmenden
Gewässerbelastung nehmen.
Daß ein Großteil der von uns verwalteten Reviere noch
immer die Wassergüteklasse 1-2
besitzt, läßt uns nicht frohlocken, wissen wir doch,
daß trotz erwachendem Umweltschutzbewußtsein neue Herausforderungen
an uns gestellt werden.
Unser Ziel für die nächsten Jahrzehnte
ist es, einerseits dem wachsenden Befischungsdruck der sich aus
der ständig zunehmenden Freizeit ergibt, zu steuern und andererseits
zu verhindern, daß rücksichtsloses Wirtschaften einen
der edelsten Stoffe der Natur, nämlich sauberes Wasser und
seine Tier- und Pflanzenwelt, einem kurzsichtigen Gewinnstreben
opfert.
Fischerei ist aktiver Naturschutz!
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