Eine bemerkenswerte Vereinsgeschichte!

Die nachfolgenden Zeilen sollen allen an der Fischwaid Interessierten einen Überblick über 132 Jahre Österreichische Fischereigesellschaft gegr.1880 geben.

Dem Betrachter der Vereinsgeschichte fallen drei sich über mehrere Jahrzehnte erstreckende Zeiträume auf; es sind dies die Perioden 1880 bis 1918, 1919 bis 1945 und 1946 bis zur Gegenwart.

Die sich entwickelnde Industriegesellschaft wollte nicht länger den Naturgewalten ausgesetzt sein. Den Anstoß dazu gaben die großen Überschwemmungen in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts. Im Jahre 1869 begann die große Donauregulierung und wurde 1875 im Raum Wien fertiggestellt. Berechtigte Interessen der Betroffenen begannen mit den Anliegen der Fischereiberechtigten zu kollidieren und den Lebensraum der wassergebundenen Lebewesen massiv einzuengen.

Die am 16. Februar 1880 konstituierte Gesellschaft machte daher die Formulierung  dringend notwendiger Fischereigesetze in den zahlreichen Kronländern der Monarchie zu ihren ersten Anliegen. In den folgenden Jahren wurden die niederösterreichischen Fischereirevierausschüsse ins Leben gerufen und dort die Grundlagen für die Bildung von Fischereirevieren erarbeitet und umgesetzt. Der Gedanke  der Gewässerpflege und Hege der Fischbestände gewann nach und nach an Bedeutung, wissenschaftliche Erkenntnisse zur Fischzucht wurden in einer vereinseigenen Zeitung veröffentlich. Kein geringerer als der Sohn des Kaisers, Kronprinz Rudolf, erkannte den dringenden Handlungsbedarf zum Schutz der Gewässer und übernahm das Protektorat über den neu gegründeten Verein.

Für unsere Aktivitäten wurden wir 1905 von Kaiser Franz Josef I. mit dem Titel K.u.k. Österreichische Fischereigesellschaft ausgezeichnet.

Stolz können wir heute sagen, dass in der ausklingenden Donaumonarchie, durch weitblickende gesetzliche Regelungen, die Rahmenbedingungen für die heutige Art der Gewässerbewirtschaftung geschaffen worden sind.

Die Jahre1914 bis 1945 zählen aufgrund der politischen Entwicklungen zu den unerfreulichsten unserer Vereinsgeschichte. Mehrmals verloren wir fast unsere Eigenständigkeit und wurden zu einigen Namensänderungen gezwungen. So unterstellte man uns im April des Jahres 1938 den „Reichsbund deutscher Sportfischer in Berlin“ und wir erhielten den Vereinsnamen „Bezirksfischereivereinigung Niederdonau“.

Im Jahre 1945, wir hatten wieder den Vereinsnamen „Österreichische Fischereigesellschaft gegr.1880“ angenommen, besann sich unsere Gesellschaft ausschließlich auf die Verbreitung und Erhaltung der Fischwaid. Die alten Ziele, Ankauf und Pachtung von Gewässern, sind heute genauso aktuell wie damals.

Dass wir Reviere, die wir bereits 1880 bewirtschaftet haben, wie z.B. die Alte Donau oder die Pielach, noch heute in enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen Fischereiberechtigten betreuen dürfen, beruht auf dem Fundament gegenseitigen Vertrauens und der Umsetzung zeitgemäßer nachhaltiger Bewirtschaftungskonzepte.

Heute bewirtschaften wir rund 80 Fischereireviere und zählen zu den traditionsreichsten Fischereivereinen in Europa. Im Inland sind wir ein geschätzter Partner Öffentlicher Einrichtungen und Förderer zahlreicher Umweltprojekte mit Schwergewicht „Gewässervernetzung“.

Wie es unserer Geschichte entspricht, werden wir weiterhin der unbequeme Mahner bleiben wenn es gilt, die maßgeblichen Stellen zu bewegen, die Interessen der Tagespolitik zurückzustellen und endlich den Schutz des Lebensraumes Wasser an die erste Stelle zu reihen.

Unsere außergewöhnliche Vereinsgeschichte ist in fünf Festschriften (25 Jahre, 50, 75, 100 und 125 Jahre) in Wort und Bild umfangreich dokumentiert. Da diese Schriftwerke seit Jahren vergriffen sind, haben wir diese für interessierte Leser auf eine gemeinsame CD gebrannt. Diese CD kann im Sekretariat käuflich erworben werden.